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Kinder- und Jugendbeteiligung in Gemeinden

Was ist Beteiligung? Was heißt Partizipation?

In diesem Blog-Artikel gehe ich auf die Grundlagen von Partizipation ein. Ich gebe eine Begriffsklärung an die Hand. Ich erläutere die Stufen sowie die Formen von Partizipation und zum Schluss runde ich den Artikel mit einem praktischen Beispiel ab.

Begriffsklärung Partizipation

Der Begriff Partizipation lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und wird umgangssprachlich mit Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme übersetzt. Ursprünglich stammt das Wort jedoch von “partem capere” ab und bedeutet “einen Teil (weg)-nehmen”
Dieses Teilen von Entscheidungen oder auch von Macht wird deutlich, wenn man sich Beteiligung genauer betrachtet.

Es geht bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen darum, “Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsame Lösungen für Probleme zu finden. Kinder und Jugendliche sind dabei nicht kreativer und demokratischer oder offener als Erwachsene, sie sind nur anders und bringen aus diesem Grunde andere, neue Aspekte und Perspektiven in die Entscheidungsprozesse hinein.” Definition von Richard Schröder.

Entscheidungen zu teilen heißt auch immer Macht zu teilen. Um mit den Kindern und Jugendlichen nicht nur zu reden, sondern ihre Meinung gleichberechtigt in die Entscheidung einzubinden, müssen die Erwachsenen einen Teil ihrer Macht an die Kinder und Jugendlichen abgeben.

Die fünf Stufen der Partizipation

Um die Intensität der Beteiligung und den Anteil der abzugebenden Macht einzuschätzen, hat sich in den letzten Jahren das sogenannte Stufenmodel der Beteiligung durchgesetzt.
Alle Stufen stehen gleichberechtigt nebeneinander, es gibt keine richtige oder falsche Stufe.
Es gibt in jeder Gemeinde und in jeder Einrichtung so viele unterschiedliche Themen und Fragestellungen, dass diese Vielfalt auch in unterschiedlichen Beteiligungsstufen eingeordnet werden kann.

Das Stufenmodel ist so zu verstehen, dass die niedrigere Stufe in der höheren selbstverständlich enthalten ist. Je höher die Stufe ist umso mehr Macht müssen die Erwachsenen an die Kinder und Jugendlichen abgeben. Zudem kann es in einem Projekt unterschiedliche Phasen und Themen geben, die unterschiedlichen Stufen zugeordnet werden können.

  1. Teilhabe: Kinder und Jugendliche haben Zugang zu dem Angebot / der Leistung. Wenn sie Fragen haben, erhalten sie angemessene und vollständige Antworten.
  2. Transparenz: Kinder und Jugendliche werden in angemessener Form über das Angebot / die Leistung informiert. Ihnen wird ein Ansprechpartner für Fragen angeboten.
  3. Mitwirkung: Kinder und Jugendliche werden nach ihrer Meinung zu einem Thema / einer Frage gebeten. Das Ergebnis der Befragung wird in angemessener Form öffentlich bekannt gemacht.
  4. Mitbestimmung: Den Kindern und Jugendlichen wird bei Entscheidungen ein Stimmrecht eingeräumt. Das Stimmrecht ist gleichwertig mit dem Stimmrecht Erwachsener. Das Stimmrecht kann nicht durch ein Veto Erwachsener weggenommen werden. Die Kinder und Jugendlichen tragen auch für einen bestimmten Teilbereich Mitverantwortung.
  5. Selbstbestimmung: Kindern und Jugendlichen wird für einen angemessenen Teilbereich die alleinige Entscheidungsmacht übertragen. Oder den Kindern und Jugendlichen wird für das gesamte Vorhaben die Entscheidungsmacht übertragen. Oder die Kinder und Jugendlichen verantworten das Vorhaben allein.

Die zwei Grundformen der Beteiligung

Neben den Stufen der Beteiligung, gibt es zwei unterschiedliche Formen in denen man Kinder und Jugendliche beteiligen kann.
Zum einen gibt es die projektorientierte Beteiligung, die sich auf ein ganz konkretes Projekt, eine Fragestellung oder ein Thema bezieht.
Als Beispiele sind hier zu nennen: Verkehrsplanung zur Schulwegsicherheit, Gestaltung eines Spiel- und Jugendplatzes, Planung der Angebote im Jugendzentrum. Die Liste der Themen lässt sich meiner Meinung nach beliebig fortsetzen. Alle Themen und Entscheidungen, von denen Kinder und Jugendliche betroffen sind, sind mit ihnen gemeinsam zu entwickeln.

Zum anderen gibt es strukturell verankerte Formen der Beteiligung bei der Kinder- und Jugendliche in einer auf Dauer angelegten Form an unterschiedlichen Themen beteiligt werden.
Als Beispiel nenne ich hier das Kinder- und Jugendparlament, den Beirat und die Jugendversammlung. Auch strukturell verankerte Formen gibt es in unzähligen Ausgestaltungen.

Beide Formen können gut miteinander kombiniert werden und müssen immer an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. So kann zum Beispiel ein bestehender Beirat zu einem bestimmten Thema beschließen eine umfangreichere Kinder- und Jugendbeteiligung durchzuführen.

Ein praktisches Beispiel für Partizipation

An einer Grundschule soll der Schulhof neugestaltet werden. Der Träger der Schule sagt zu, den Schulhof so zu gestalten, wie es die Schule vorgibt. Es sind ausreichend zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen vorhanden.

Die Schulleitung spricht mit der Schülervertretung und bittet um deren Anregungen (bei der Schülervertretung handelt es sich um eine strukturell verankerte Form der Beteiligung).
Die Schülervertretung geht mit der Schulleitung in eine Aushandlung und darf eine groß angelegte, projektbezogene Beteiligung aller Schüler*innen durchführen.
Zudem bekommt die Schülervertretung die Zusage, dass die Vorschläge der Schüler*innen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften umgesetzt werden.
Die Schülervertretung bekommt von der Schulleitung den Auftrag die Beteiligung der Schüler*innen in Eigenverantwortung durchzuführen.

Bei diesem Beispiel mischen sich die Beteiligungsformen, eine strukturell verankerte Form führt eine projektbezogene Beteiligung durch.

Auch bei den Stufen der Beteiligung kann dieses Beispiel in unterschiedlichen Stufen eingeordnet werden. Die Schülervertretung darf mitbestimmen (Stufe 4) und führt die Beteiligung der anderen Schüler*innen selbstbestimmt (Stufe 5) durch. Die anderen Schüler*innen dürfen ebenso mitbestimmen.
Formal werden die Schulkonferenz und die Schulleitung noch einen Beschluss über die Gestaltung des Schulhofs fassen. Da die Schülervertretung die Zusage hat, dass die Ideen der Schüler*innen umgesetzt werden, ist das nur eine Formsache.

Hast du Fragen zu den Themen in diesem Blogartikel?
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Hast du in deiner Gemeinde oder deiner Einrichtung gerade ein Thema, bei dem du für die Kinder- und Jugendbeteiligung Unterstützung benötigst?
Dann nimm gerne Kontakt zu mir auf.

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So viel zu den theoretischen Grundlagen von Partizipation. Ich freue mich, wenn für dich etwas Neues dabei war.

In meinem Blogartikel vom 16.04.2022 gehe ich auf die gesetzlichen Grundlagen zur Kinder- und Jugenbeteiligung ein.
Hier gehts zum Artikel!

*Hinweis zur gendergerechten Schriftform: Ich möchte mit meinem Text grundsätzlich alle ansprechen, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Ich habe jedoch für mich noch keine Schriftform gefunden, die den Lesefluss nicht unterbricht.

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