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Partizipation in Zeiten von Corona

Bei der Partizipation von Kindern und Jugendlichen geht es um gemeinsames Handeln, Planen und Mitentscheiden im Alltag. Wenn Kinder- und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer Umgebung teilhaben, wenn sie bei Entscheidungen, die sie und ihr Umfeld betreffen, mitreden, mitgestalten und mitbestimmen, dann tragen sie zur Stärkung von demokratischen Strukturen bei.

Das bedeutet, dass überall das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Beteiligung einzuhalten ist. Dort, wo Beteiligungsmöglichkeiten durch Erlasse und Bestimmungen von Land oder Bund eingeschränkt sind, ist es besonders wichtig, dass diese Maßnahmen gut erklärt und begründet werden und zwar so, dass die Kinder und Jugendlichen es verstehen und auf ihre eigene Situation anwenden können.

Information ist die Grundlage zur Erarbeitung gemeinsamer Entscheidungen.

Partizipation und Bürgerbeteiligung in der Kommune

Unser aller Alltag wurde durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stark eingeschränkt und durcheinandergebracht.

Kein Lebensbereich blieb zu Beginn davon verschont, sei es Arbeit, Ausbildung, Schule, Kindertagesstätte, Freunde und Familie, aber auch der gesamte Freizeitbereich nicht: Sportvereine, Kino, Theater, Museen, Spielplätze; – alles war von einem Tag auf den anderen nicht mehr zugänglich.

Inzwischen kehrt Stück für Stück ein bisschen Normalität in den Alltag zurück, alles mit Abstand und mit Mund-Nasen-Schutz.

In dieser Zeit benötigen alle Bürger, sei es jung oder alt, Informationen zu und Beteiligungsmöglichkeiten an der Gestaltung der neu gewonnen „Freiheit“ und einer gemeinsamen Zukunft nach Corona und Abstandsregeln.

Seien Sie als Bürgermeister erreichbar, bleiben Sie in Kontakt.

Das ist momentan nicht so einfach wie vor Corona, aber es gibt viele Möglichkeiten: Nutzen Sie soziale Medien und digitale Tools, Aushänge, Postwurfsendungen und Fragebögen. Nutzen Sie auch aktiv die Website ihrer Gemeinde und bieten Sie eine Online-Sprechstunde an.

Arbeiten Sie die Informationen zu den aktuell gültigen Erlassen so auf, dass jede Bevölkerungsgruppe sie verstehen kann. So haben alle Bewohner Ihrer Gemeinde die Möglichkeit, sich zu informieren und zu beteiligen, egal, ob digitale Medien vorhanden sind oder nicht.

Eine aktuelle Studie des Berliner Instituts für Partizipation untersucht die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Bürgerbeteiligung in Deutschland:

Partizipation und Beteiligungsverfahren sind vielerorts abrupt zum Stehen gekommen. Sie wurden abgesagt oder verschoben. Dies kann in vielen Bereichen zu einem verlorenen Jahr der Partizipation und Bürgerbeteiligung führen.

Partizipation und Bürgerbeteiligung nur mit digitalen Methoden und Tools funktioniert nicht. Beides kann Beteiligungsverfahren bereichern und unterstützen, wird jedoch im Alltag nur wenig genutzt. So sehen immer noch viele den direkten Offline-Kontakt als Voraussetzung für gelingende Beteiligung.

In vielen Kommunen wurde in den letzten Jahren viel Zeit und Geld in eine lebendige Beteiligungskultur investiert. Diese Strukturen sind nun bedroht, wenn nicht bald wieder Offline-Formate angeboten werden können. Es geht darum keine Zeit zu verlieren und auch jetzt mit Abstandsregelung und Mund-Nase-Schutz solche Formate zu realisieren.

Die steigende Zahl politisch aktiver Bürger sollte genutzt werden, um die Zeit nach der Pandemie gemeinsam zu gestalten und unsere Demokratie zu stärken. Hierzu benötigt es neue Formate und zusätzliche Investitionen von Zeit und Geld.

Den vollständigen Text der Studie finden Sie unter Studie des Berliner Instituts für Partizipation – Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Bürgerbeteiligung in Deutschland

Wenn Sie die Chance nutzen möchten und die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Ihrer Gemeinde stärken und strukturell verankern wollen, dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf, wir unterstützen Sie dabei kompetent, zuverlässig und individuell.

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Partizipation in der Kindertagesstätte

Genau wie im öffentlichen Leben in der Gemeinde langsam wieder Normalität einkehrt, so kommen jetzt die Kinder nach und nach wieder in ihre Kindertagesstätten zurück und finden ganz andere und neue Begebenheiten und Regeln vor als vor der langen Schließzeit. Sie benötigen Zeit und Erklärungen, um sich in der geänderten Situation zurecht zu finden. Warum wurden die Entscheidungen getroffen, welche neuen Regeln gelten jetzt?

Für manche Kinder ist die neue Situation so fremd, dass sie eine nochmalige Eingewöhnungsphase benötigen.

Jetzt ist es für das Fachpersonal in den Kindertagesstätten wichtig, dass sie vom Träger darin unterstützt werden, die neuen Regeln und deren Umsetzung mit den Kindern vor Ort gemeinsam zu erarbeiten. Nutzen Sie Ihren Spielraum und verlangen Sie möglichst keine allgemeingültige Umsetzung für alle Einrichtungen in Ihrer Trägerschaft. Dazu ist jede Einrichtung, sind alle Kinder zu individuell und benötigen eine Berücksichtigung dieser individuellen Bedürfnisse und Begebenheiten.

In fast jeder Kindertagesstätte waren über die ganze Zeit einige Kinder in der „Notbetreuung“. Sie kennen die Entwicklung sowie die neuen Regeln und können beziehungsweise sollten bei der Information der zurückkehrenden Kinder einbezogen werden.

Dieser Moment lässt sich vom Fachpersonal gut nutzen, um die Kinder zu ermuntern, eigene Ideen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge für die Umsetzung der Erlasse zu äußern.

Und schon ist das Fachpersonal mit den Kindern mittendrin in partizipativen Prozessen und Demokratiebildung!

Die aktuelle Situation sowohl in der Kindertagesstätte als auch im öffentlichen Raum und zu Hause kann eine gute Gelegenheit bieten mit den Kindern über Grundrechte zu reden. Das Fachpersonal und auch Sie als Bürgermeister können sich mit ihnen darüber austauschen, welche Grundrechte es gibt, welche gerade eingeschränkt sind und warum. Sie können sich auch gemeinsam überlegen, welche neuen Formen für die Umsetzung der Beteiligungsrechte momentan möglich sind.

Denkbar sind zum Beispiel Austausch und Abstimmungen in kleineren Gruppen oder visuell gestaltete Abstimmungen an Flipcharts oder Moderationswand. Werden die Ergebnisse aus den einzelnen Kleingruppen dokumentiert, können sie mit den anderen Gruppen geteilt werden, so dass eine Abstimmung auch über Gruppengrenzen möglich ist.

Diese Prozesse können von digitalen Medien unterstützt werden. Sie bietet zusätzlich die Möglichkeit auch die Kinder, die noch nicht in die Kindertagesstätte dürfen, sowie die Eltern mit einzubeziehen. Wünsche, Ideen und Anregungen, wie das Leben in der Kindertagesstäte unter den aktuellen Gegebenheiten gestaltet werden kann, können abgefragt werden. Es kann sich über den eigenen Alltag mit Corona ausgetauscht werden. Wo keine digitalen Medien vorhanden sind, können klassische Fragebögen auf Papier mit der Post verschickt oder persönlich vorbeigebracht werden.

Wertschätzende Haltung als Grundlage von Partizipation

Gerade bei kleinen Kindern ist es besonders wichtig, dass das Fachpersonal die Partizipation und Mitbestimmung aktiv unterstützt. Die Kinder müssen erst lernen, ihre Bedürfnisse zu äußern. Grundlage dazu ist eine wertschätzende und wahrnehmende Haltung gegenüber den Kindern.

Geben Sie als Träger dem Fachpersonal die Rückendeckung und die Zeit, sich individuell um die Kinder zu kümmern. Die kleineren Gruppen bieten eine gute Grundlage für eine individuelle und aufmerksame Betreuung. Die Kinder sollten dazu ermuntert werden, ihre persönlichen Erfahrungen, ihre Ängste und Wünsche aus der Corona-Krise zu äußern. Das kann im Gespräch erfolgen oder in Rollenspielen, Zeichnungen und weiteren kreativen Angeboten.

Ebenso kann mit den Kindern gemeinsam die konkrete Umsetzung der Hygienevorschriften vor Ort erarbeitet werden, in dem das Fachpersonal mit den Kindern gemeinsam festlegt, welche Flächen und Gegenstände wie genutzt werden dürfen und wie oft sie desinfiziert und gereinigt werden müssen.

Durch das gemeinsame Erarbeiten dieser Regeln entsteht eine viel höhere Akzeptanz der Kinder und diese setzen die Maßnahmen dann wesentlich häufiger um.

Partizipation in der Schule und der offenen Jugendarbeit

Ebenso wie in der Kommunalpolitik und -verwaltung und in den Kindertagesstätten müssen für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Schule und in der offenen Jugendarbeit in Zeiten von Corona die Verfahren und die Regeln an die vor Ort herrschenden Bedingungen angepasst werden.

So gibt es auch in der Schule und der offenen Jugendarbeit bestehende Strukturen und Regeln, um das Zusammenleben und die Beteiligungsmöglichkeiten festzulegen. Viele dieser Regeln können jetzt unter den aktuellen Bedingungen nicht in gewohnter Form umgesetzt werden.

Die Kinder und Jugendlichen benötigen Informationen und Mitbestimmungsmöglichkeiten, um sich die neue Situation aneignen zu können. Es gilt für das Fachpersonal vor Ort mit allen, auch mit den Eltern, in Kontakt zu bleiben. Bieten Sie als Träger den Einrichtungen die Möglichkeiten neue Methoden und digitale Tools zu erproben. Bieten Sie ebenso für das Fachpersonal, die Kinder und Jugendlichen und die Eltern die Möglichkeit, technisches Equipment auszuleihen und dieses unter professioneller Anleitung auszuprobieren.

Sie möchten in den Einrichtungen in Ihrer Trägerschaft die Partizipation und Demokratiebildung der Kinder und Jugendlichen stärken, dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf, wir unterstützen Sie dabei kompetent, zuverlässig und individuell.

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Fazit

Die Corona-Pandemie hat Sie und Ihre Gemeinde in vielen Bereichen und bei vielen Themen vor große Herausforderungen gestellt. Viele langfristige Auswirkungen sind jetzt noch gar nicht abzusehen.

Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen wurde in vielen Bereichen gestoppt.
Dabei geht es nur darum, egal in welchem Bereich und in welcher Einrichtung, die Verfahren und die Methoden an die aktuellen Gegebenheiten vor Ort anzupassen, so wie es die gesetzlichen Bestimmungen fordern.

Wie in so vielen Bereichen, so hat auch hier die Corona-Pandemie eine Lupenfunktion: Da, wo Partizipation gut und abwechslungsreich aufgestellt war, da funktioniert sie auch jetzt. Da, wo Partizipation bis jetzt kaum ein Thema war, da wird sie wahrscheinlich auch jetzt kaum zum Thema werden.

Wenn Sie zu diesem Thema Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie uns gerne in die Kommentare oder nehmen Sie persönlich Kontakt zu uns auf.

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