Warum mache ich, was ich mache?

Ich wurde neulich gefragt,  warum ich das eigentlich mache, was ich mache, nämlich Kinder und Jugendlichen an allen sie betreffenden Belangen zu beteiligen. Ein paar schnelle Antworten sind mir natürlich eingefallen: Es macht mir Spaß, mit Menschen zu arbeiten und ganz besonders mit Kindern und Jugendlichen. Ich verdiene damit mein Geld.

Aber das sind eher oberflächliche Antworten, und so habe ich mich etwas genauer damit beschäftigt und bin auf drei wichtige Antreiber für meine Arbeit gekommen. Darüber schreibe ich in diesem Blogartikel.

Die Demokratie stärken

Ich bin bekennende Demokratin, nicht im amerikanischen Sinne, sondern ich liebe die Demokratie als Staatsform mit all ihren Rechten und Pflichten, Möglichkeiten und Herausforderungen, die sie für die BürgerInnen bietet.

Die vorgezogene Bundestagswahl im Februar 2025 hat es mir noch einmal ganz deutlich gemacht. Ich hatte Angst um unsere Demokratie. Ich habe mich gefragt, ob ich genug getan habe, um die Demokratie vor demokratiefeindlichen Strömungen zu schützen und sie zu stärken.

Mit meiner Arbeit ermögliche ich Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, sich die Grundkompetenzen zum demokratischen Handeln anzueignen und trage dadurch zur Stärkung der Demokratie bei.

Demokratie lernen

Eine der großen Herausforderungen ist sicherlich die Tatsache, dass man Demokratie nicht geschenkt bekommt, sondern dass man sie erlernen muss, alle anderen Staatsformen bekommt man so.

Die Fähigkeiten zu diskutieren, einander zuzuhören, andere Meinungen zu akzeptieren, Kompromisse auszuhandeln und auch mal mit den eigenen Vorhaben zu scheitern und das Scheitern zu ertragen, müssen gelernt werden, geübt werden, immer wieder praktiziert werden.

Und genau das ermögliche ich durch meine Arbeit. In ernst gemeinten Beteiligungsprojekten lernen Kinder und Jugendliche genau das. Sie lernen, einander zuzuhören. Sie lernen, die Bedürfnisse und Standpunkte anderer zu sehen und zu akzeptieren. Sie lernen, zu diskutieren und Kompromisse auszuhandeln. Und sie lernen auch zu scheitern und das Scheitern zu ertragen.

Nach einem Workshop kam eine 21-jährige Teilnehmerin zu mir und erzählte mir, dass es das erste Mal war, dass Erwachsene ihr zugehört haben. Das ist erschreckend, aber für mich ein Antrieb, immer wieder solche Räume für Austausch und Diskussion zu schaffen.

Demokratieförderung und Demokratieerziehung

Für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gibt es unzählige gesetzliche Grundlagen. Sie müssen in Kindergarten, Schule, Jugendhilfe, Verwaltung und Politik an allen sie betreffenden Belangen beteiligt werden. Und ihre Belange sind vorrangig zu berücksichtigen. Überall ist Demokratieerziehung durch Beteiligung eine Querschnittsaufgabe und trägt dadurch zur Förderung und Stärkung der Demokratie bei.

Leider sieht die Realität in vielen Fällen ganz anders aus. Dass Erwachsene über das Leben von Kindern und Jugendlichen entscheiden, ist nicht nur in der Politik trauriger Alltag. Überall dort, wo ich tätig bin, setze ich mich für eine verlässliche, strukturelle Verankerung von Kinder- und Jugendbeteiligung ein. Damit Beteiligung nicht mehr zufällig und personenabhängig passiert und so die Kinder und Jugendlichen zuverlässig demokratisches Handeln erlernen können.

Selbstwirksamkeit erleben

Ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Arbeit ist das Ermöglichen von Selbstwirksamkeitserfahrungen für die Kinder und Jugendlichen. Diese Erfahrungen sind ein wichtiger Baustein der Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Sie erleben, dass ihr Einsatz etwas bewirkt, dass ihre Bedürfnisse gesehen und berücksichtigt werden und dass ihre Meinung etwas wert ist.

Selbstwirksamkeit statt Machtlosigkeit

Kinder und Jugendliche und auch viele Erwachsene haben häufig das Gefühl der Machtlosigkeit in ihrem eigenen Leben. Sie sehen sich als Opfer der äußeren Umstände. Bei Kindern und Jugendlichen wird dieses Gefühl durch das Machtgefälle zwischen ihnen und den Erwachsenen noch verstärkt. Immer wieder erleben sie, dass Erwachsenen über ihr Leben entscheiden, dass ihre Themen und Interessen nicht wahrgenommen werden, so auch in der Politik.

Diesem Ohnmachtsgefühl kann man nur durch konsequente Beteiligung in allen Lebensbereichen entgegenwirken. Kinder und Jugendliche müssen die Chance haben, ihren eigenen Alltag selbstbestimmt zu gestalten, und zwar in allen Bereichen. In der Familie, in der Schule und in der eigenen Gemeinde. Nur so erleben sie Selbstwirksamkeit und entwickeln eine selbstbewusste Persönlichkeit.

Selbstwirksamkeit als Grundlage für Engagement

Wenn Kinder und Jugendliche keine Selbstwirksamkeit erleben, so sehen sie keinen Sinn darin, sich zu engagieren. Egal, ob im Verein, in der Nachbarschaft oder in der eigenen Kommune. Deshalb ist es so wichtig, Beteiligungsprojekte und das damit einhergehende Teilen von Macht wirklich ernst zu meinen und Absprachen einzuhalten. Es ist ein Kreislauf: Durch gute und ernstgemeinte Beteiligung erleben Kinder und Jugendliche Selbstwirksamkeit und durch das Erleben von Selbstwirksamkeit erhöht sich ihr persönliches Engagement in allen Bereichen.

Gerechtigkeit fördern

Ich gehöre zu der Sorte von Menschen, die ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl haben. Viele Dinge, die passieren, erschließen sich mir deshalb nur bedingt, genauer gesagt widersprechen meinem Gerechtigkeitsgefühl. Darunter sind viele Dinge, die auch andere Menschen als ungerecht empfinden, aber auch Diskriminierung und schlecht behandeln von anderen Menschen ist mit meinem Gerechtigkeitsgefühl nicht vereinbar.

Warum entscheiden Erwachsene über das Leben von Kindern und Jugendlichen?

Politik, Vereine, Verbände, große Unternehmen, die Macht haben in Deutschland immer noch mehrheitlich weiße, alte Männer. Ich weiß, dass ich mit dieser Aussage vielen auf den Schlips trete, aber es gibt genügend andere Menschen, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Aber diese Macht entscheidet über die Zukunft unseres Landes, unserer Umwelt und muss mit den Entscheidungen selbst nur noch kurze Zeit leben. Diejenigen, die mit den Entscheidungen noch ihr ganzes Leben vor sich haben, die Kinder und Jugendlichen, werden nicht einmal ernst genommen (im schlimmsten Fall, ich übertreibe ein wenig) oder angehört.

Obwohl ich selbst schon zu den älteren gehöre, aber wenigstens eine Frau bin, empfinde ich das als extrem ungerecht.

Zukunft gemeinsam gestalten

Ich bin überzeugt, dass die Herausforderungen, vor denen wir als Gesellschaft stehen, nur gemeinsam gelöst werden können. Gemeinsam mit allen Generationen und ihrem Wissen. Gemeinsam mit allen Religionen und ihren Sichtweisen. Gemeinsam auf Grundlage unseres Grundgesetzes, der Menschen- und Kinderrechte und der demokratischen Werte. Dafür setzte ich mich tagtäglich mit meiner Arbeit in Einrichtungen und Kommunen ein.

Mein Fazit

Was mich antreibt, ist stark und betrifft nicht nur die Kinder- und Jugendbeteiligung. Gerechtigkeit, Selbstwirksamkeit und Demokratie bedingen einander, das eine funktioniert nicht, ohne das andere.

Nur wenn wir Selbstwirksamkeit erfahren, engagieren wir uns und setzen uns für unsere Demokratie ein. Nur wenn uns Gerechtigkeit wichtig ist und wir die Bedürfnisse und Ideen der anderen ernst nehmen, gelingt es uns, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Dafür setzte ich mich ein. Durch meine Arbeit erleben Kinder und Jugendliche Selbstwirksamkeit und engagieren sich für die Demokratie vor ihrer Haustür.

Etwas zum Mitmachen:

Anmeldung zum Grundlagenwebinar Kinder- und Jugendbeteiligung

Wenn du meine Arbeitsweise und mich näher kennenlernen möchtest, dann melde dich gerne zu meinem Live-Webinar über die Grundlagen der Kinder- und Jugendbeteiligung an.

Hier kostenfrei anmelden

Darum geht es im Webinar:

  • Pädagogische und gesetzliche Begründung für Kinder- und Jugendbeteiligung.
  • Unterschiedliche Formen und Stufen der Kinder- und Jugendbeteiligung.
  • Anregungen, wie und wo du mit Kinder- und Jugendbeteiligung starten solltest.

Wer ich bin und was ich mache:

Ich bin Gönna Hartmann, verheiratet, zwei Töchter und komme aus dem schönen Schleswig-Holstein. Schleswig-Holstein ist mit seiner Lage zwischen Nord- und Ostsee, Dänemark und Hamburg nicht nur wunderschön, wir sind auch ein Vorreiter in der Kinder- und Jugendbeteiligung. Das brachte mir die Chance, schon während meines Studiums der Sozialpädagogik an der FH-Kiel an verschiedenen Modellprojekten mitzuwirken.

Inzwischen bin ich seit über 15 Jahren freiberuflich in ganz Deutschland unterwegs. Ich habe eine Ausbildung zur Trainerin, zur Beraterin und zur Moderatorin für Kinder- und Jugendbeteiligung gemacht und unterstütze Kommunen und Einrichtungen bei der Umsetzung von Kinder- und Jugendbeteiligung und der Schaffung verlässlicher Strukturen.

Mehr zu meinen Leistungen findest du hier!

*Hinweis zur gendergerechten Schriftform: Ich möchte mit meinem Text grundsätzlich alle ansprechen, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Ich habe jedoch für mich noch keine Schriftform gefunden, die den Lesefluss nicht unterbricht.

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